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Heimatverein -> Petzow -> Historisches
Petzow wurde erstmalig 1419 urkundlich erwähnt. Doch schon viel früher siedelten hier wendische Slawen an, die Tonabbau betrieben. Der aus dem altpolabischen abgeleitete Begriff "Ofen, Feuer" für "Petsch" weist darauf hin. Einflüsse bekannter Baumeister prägten wesentlich die Architektur in dem kleinen Ort. Hinzu kam im 19. Jahrhundert das Zusammentreffen glücklicher Umstände, die Petzow zu seinem einzigartigen Parkensemble verhalfen. Die guten Beziehungen des damaligen Gutsbesitzers von Kaehne zum Potsdamer Baumeister Unger sorgten schließlich dafür, dass sich solch bekannte Leute wie Schinkel, Stüler und Lennè in die Park- und Ortsgestaltung einbrachten und z.T. im Auftrage von Kaehnes hier wirkten. Ob allerdings Schinkel tatsächlich mit Hand angelegt hat ist zumindest für das Schloss umstritten, seine Entwürfe für die Kirche sind es nicht, ebensowenig wie die Tatsache, dass Stüler das Werk auf dem Grelleberg vollendete - im Oktober 1842 durch keinen Geringeren als den preussischen König Friedrich Wilhelm IV. eingeweiht. Personen
Aus der Geschichte Petzows Schon früh siedelten in der Gegend wendische Slawen an, die hier offenbar den Tonabbau betrieben. Der aus dem altpolabischen abgeleitete Begriff "Ofen, Feuer" für "Petsch" weist darauf hin. Petzow wird 1419 erstmalig als „Pessöw“ in einem Schriftstück erwähnt, das einer Lehnsaufzeichnung aus dem Jahre 1419 entstammt und ist in einem Kopialbuch des Thüringischen Landeshauptarchives Weimar zu finden. Dieses Kopialbuch wiederum befindet sich dort im Ernestinischen Gesamtarchiv mit der Signatur B4, Bl.13r. 1437 geht der Hof Petzow an das Kloster Lehnin über und verbleibt dort bis 1542. Im Jahre 1605 verfügt der Schulze über 2 Lehn- und 4 Erbhufe und 1624 gibt es hier sieben Hüfner, einen Hirten und einen Laufschmied. ? Eine Hufe entsprach in der Gründungszeit der märkischen Dörfer einer Fläche, die eine bäuerliche Familie zur eigenen Ernährung benötigte und allein bewirtschaften konnte; je nach Bodengüte und landschaftlichen Verhältnissen ergaben sich daraus sehr unterschiedliche Größen; im Brandenburger Raum wurden Größen zwischen 7 und 15 Hektar nachgewiesen, im Schnitt etwa 10 Hektar (etwa 40 Morgen). ? Ein Hüfner war ein Bauer mit mindestens einer Hufe Land; in den meisten Regionen waren die Bauern ursprünglich mit zwei (Zweihüfner), gelegentlich mit bis zu vier Hufen (Vierhüfner) ausgestattet; durch Teilung entstanden später kleinere Wirtschaften, die dann als Halb- oder Viertelhüfner bezeichnet wurden; damit jeder Bauer gerecht an den unterschiedlichen Bodenqualitäten der Gemarkung beteiligt war, lag der Hufenbesitz eines Bauern nicht separat, sondern in schmalen Streifen im Gemenge mit den Anteilen der anderen Besitzer, daraus ergab sich der "Flurzwang", der Acker konnte nur durch alle Besitzer gleichzeitig bearbeitet werden. ? Der Lehnschulze war ein vom Landesherren mit dem Dorfvorsteheramt und der Polizeigerichtsbarkeit belehnter und mit mindestens vier Hufen ausgestatteter Bauerngutsbesitzer (auch: prefectus). Als Lehen bezeichnet man ein geliehenes Gut, das im Todesfall des Lehnsträgers an den Landesherrn zurückfiel; geliehen vom Lehnsherrn dem zumeist waffentragenden Lehnsmann oder Vasallen. Der dreißigjährige Krieg (1618-1648) und die Pest hinterließen auch in Petzow ihre Spuren. Seitdem Jahre gibt es das Lehnschulzengut der Familie Kaehne, die Familie ist nachweislich seit dem Jahr 1638 in Petzow ansässig. ? Kossät = soziale Schicht, ursprünglich nur mit Haus, Garten und etwas hofnahem Acker ausgestattet; Ableitung von Kate (kote), "Kotsasse", "Katensitzer"; die hinter Hof und Gartenland liegenden kleinen Ackerstücke wurden auch als "Wörden" bezeichnet, sie waren kein Hufenbestandteil; die Kossäten vergrößerten später durch Erwerb von Hufenanteilen ihre Wirtschaft, waren aber keine vollwertigen Bauern, weil sie sich allein von ihrer bäuerlichen Wirtschaft nicht ernähren konnten und zusätzlich als Handwerker, Gärtner, Fischer usw. betätigen mussten; der Kossätenstand ist sehr alt (nachweisbar seit 1375), sein Ursprung bisher aber nicht abschließend erforscht. ? Bauer, ursprünglich ein Hüfner, später allgemein ein Landwirt, der eigenes Land mit seiner Familie sowie Knechten und Mägden selbst bewirtschaftete und davon leben konnte; anfängliche Unterscheidung zwischen Vollbauern (Vollhüfner) und Halbbauern (Halbhüfner); Mitte des 19. Jahrhunderts enstand die Einteilung in Großbauern (10-100 ha), Mittelbauern (5-20 ha) und Kleinbauern (2-5 ha); Kleinbauern mit Zuerwerbsbedarf sanken zu den Kossäten ab, Agrarbetriebe über 100 ha wurden als Gut bezeichnet.
Carl Friedrich Zelter (1758-1832) hat hier in Petzow einige seiner Kindheitsjahre verbracht. Der Vater der „Berliner Liedertafel“ ist zwar hier nicht „gebohren“, wie eine Tafel selbst Fontane bei seinen Wanderungen durch die Mark irritierte, jedoch hat er - heute in der Straße Am Lindentor - gewohnt. Das alte Zelterhaus wurde zu DDR-Zeiten abgerissen, nachdem es durch unsachgemäßen Gebrauch baufällig geworden war. Die ehemalige Dorfstraße zwischen Kirche und Schloß heisst heute: Zelterstraße“. Im Jahre 1801 werden 6 Ganzbauern, 5 Büdner, 4 Einlieger, Schmiede, Krug und Ziegelei, 24 Morgen Holz, 9 Morgen Weinberge, 32 Bauernhufe, 1 Lehnhuf, 19 Feuerstellen ausgewiesen. Für 1803 werden die beiden Ziegeleien (Grelle und Löcknitz) erwähnt. Anfang des 19.Jh. kauft die Familie Kaehne die meisten Bauerngüter aus. 1837 gibt es das Rittergut mit Dorf und insgesamt 28 Wohnhäusern, später, 1845, wird unter Vereinigung mit Anteilen von Bliesendorf und Mittelbusch Petzow in ein landtagsfähiges Rittergut umgewandelt. Es beginnt die Hohezeit der Gutsbesitzerfamilie (von) Kaehne. Sie waren auch Pächter und Besitzer ortsansässiger Ziegeleien. "Die Familie Kähne bildet einen Ausnahmefall" schreibt Theodor Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark" seine Eindrücke über Petzow nieder. Damit meinte er in erster Linie die Verdienste, die sich Carl Friedrich August von Kaehne (1775-1857) bei der Ortsgestaltung erworben hatte und zu der er sich u.a. der Hilfe von Schinkel und Lenné bediente. In den Jahren 1820 bis ca. 1860 entstand so rund um den Haussee und in Verlängerung der bereits bestehenden Dorfstraße das heute noch charakteristische einmalige Bild Petzows. Die Besonderheiten sind die eigentlichen Kommunikationen von Natur und künstlich Geschaffenem und das in seiner landschaftlichen Gestaltung und in seiner architektonischen Wirkung beeindruckende Ensemble Park-Ort-Herrenhaus-Kirche. Ein reizvolles Farbenspiel ergibt sich im Herbst, wenn die Baumbepflanzung des Parkes (Buchen, Erlen, Akazien, Nadelbäume) und dazu das Schilf am Haussee unterschiedliche Farbtöne der Belaubung produzieren. Die Geschichte der in Petzow über dreihundert Jahre ansässig gewesenen Familie (von) Kaehne (Kähne) ist sehr wechselvoll. Sie beginnt mit dem Zuzug Peter Kähnes um 1630, der sich - aus Böhmen kommend - hier mit seiner protestantischen Familie ansiedelt, sie setzt sich fort in dem auf stetigen Zugewinn von Landbesitz und dem Wohle Petzows gerichteten Streben der Familiengenerationen. Sie hat ihren Höhepunkt erreicht am Tage, als Carl Friedrich August von Kaehne durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. in den Adelsstand erhoben wurde (1840) und erlebt ihre tieftraurigsten Zeiten, als die letzten beiden Generationen als "Schießkaehnes" in die Geschichte eingingen und von Kurt Tucholsky in seinem Gedicht "Kaehne" in der "Weltbühne" (1922) gegeißelt wurden. Im Jahre 1929 wird die Gemeinde Petzow in die Stadt Werder eingegliedert und ist seitdem Ortsteil. Die traurig-berühmten Untaten des letzten Petzower Gutsbesitzers erreichten ihren spektakulären Höhepunkt während des 2. Weltkrieges, im Jahre 1943. Im Petzower Park erschießt am 10. Mai 1943 der Gutsbesitzer Karl von Kaehne jun. den Ingenieur Dr. Alfred Mehlhemmer unter nebulösen Umständen, die nie richtig gekärt werden konnten.
Wenngleich Kaehne und Mehlhemmer damals Eine ereignisreiche Geschichte hat auch die Villa Berglas, vielen noch bekannt als „das Schriftstellerheim“. Im Jahre 2003 kauften es Privatleute und richteten das Anwesen mit viel Liebe wieder her. Sie gaben ihm auch den Namen seines ehemaligen jüdischen Besitzers Berglas wieder.
Wie schon immer, drehte sich das Dorfleben auch nach dem Kriege um die Landwirtschaft, jedoch erreichte diese in den nun folgenden Jahren bis 1990 eine bisher nie dagewesene Dominanz in Petzow. Die vorgenommene „sozialistische Neugestaltung auf dem Lande“ hinterließ auch hier ihre deutlichen Spuren. Bereits 1953 gab es die erste „LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, d.A.) Typ III“ mit 6 Mitgliedern und 20 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 kann man auf 71 Mitglieder und 19.920 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche verweisen. Petzow war das erste Dorf im Kreis Potsdam, welches die umstrittene Vergenossenschaftlichung im landwirtschaftlichen Bereich, heute auch als „Zwangskollektivierung der Landwirtschaft“ bezeichnet, als erstes „vollgenossenschaftliches Dorf“ im Jahre 1958 erreichte. „Die intensiv betriebene Land- und Viehwirtschaft wird zum ökonomischen Entwicklungsfaktor“, schreibt Petzows Ortsteilbürgermeister Bernd Hanike in einer Broschüre von 2004. In den Jahren 1956 bis 1960 wurde Schweinezucht und -mast sowie Enten- und Hühnermast betrieben, es wurden Futterpflanzen angebaut, Stallungen für die Tierhaltung gebaut. 1975 schlossen sich die LPG’n von Petzow und Glindow zusammen. Seit etwa 1960 erfolgte Obst- und Gemüseanbau auf Großflächen, 1976 entstand die GPG (Gärtnerische Produktionsgenossenschaft, d.A.) Gemüseproduktion. 1990 wurden die Genossenschaften aufgelöst bzw. gingen in die Liquidation. Das Kreisarchiv in Belzig verfügt über eine Fülle von Quellen zur Geschichte dieser Zeit. Nicht minder bewegt ist die Geschichte des Schlosses nach 1945, des Jugendtouristhotels am Schwielowsee und des „Inselparadieses auf der Halbinsel Hohenwerder. Leider hat der Petzower Ortsbeirat im Jahre 2010 die historische Chance nicht genutzt, und im Zuge einer Strassenumbenennung eine Straße "Inselparadies" (nach dem Betreiber) statt vielleicht nach dem historischen Flurnamen Hohenwerder zu benennen. Das Jugendtouristhotel, eine „Devisenmaschine“ der DDR, an der man - vielleicht etwas unberechtigt - hierzulande heute kaum ein gutes Stück Erinnerung lässt, stand auf dem Terrain des heutigen „Resort Schwielowsee“. Das Schloss, Kernbau des historischen Ensembles, wurde nach der Enteignung ab 1946 den DDR-Gewerkschaften (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund=FDGB) übergeben und war lange Jahre Erholungs- und Schulungsheim, z.T. auch Kinderferienlager. Anfang der 1950er Jahre wurde der seeseitige Bettentrakt angebaut. Dem bereits geplanten Bau eines Bettenhauses in Beton konnte man in den 1980ern nur deshalb knapp entgehen, weil das Baumaterial zur gleichen Zeit für einen Plattenbau in Rheinsberg benötigt wurde. Nach der politischen Wende 1990 wurde es bis zum Jahre 2003 als Hotel und Restaurant genutzt, einem bedenklichen Verfall der Bausubstanz war man indes nicht imstande entgegenzuwirken. Daran hat sich auch seit 2003, seit der Übernahme durch einen neuen Investor bis zum Schreiben dieser Zeilen im Frühjahr 2008 (2010) nichts geändert. Schloss Petzow verfällt in einen Dornröschenschlaf. In den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sehr intensiv an der Wiederherstellung des historischen Parkes und seiner Gebäude gearbeitet. Die Kirche wurde 1994 wieder eingeweiht, ein Tortürmchen im Ort im Jahr 2000 wiederhergestellt, ein 1945 verscharrter Obelisk 2001 wieder aufgestellt. Krönung war 1999 die Wiederherstellung des historischen Waschhauses von 1825, die im Vorfeld nie für möglich gehalten wurde. In einschlägigen zeitgenössischen Dokumenten wurde das Waschhaus bereits als „abgängig“ apostrophiert. Dass es dazu nicht kam, ist dem Engagement der Denkmalschützer zu danken sowie der Europäischen Union und dem Land Brandenburg, die letztendlich die finanziellen Mittel zur Verfügung stellten, um das Waschhaus in seinem historischen Bild wieder auferstehen zu lassen. Heute beherbergt es eine interessante Ausstellung zur Ortsgeschichte Petzows und eine Ausstellung zur Kulturgeschichte der Wäschepflege. Auch das Erbbegräbnis der Familie Kaehne wurde, nachdem es seit 1945 jahrzehntelang Verfall und Vandalismus preisgegeben war, im Jahre 2005 mit Mitteln der Kommune und der Familie von Kaehne wiederhergestellt. Die Dorfkirche Petzow, 1842 auf dem Grelleberg fertiggestellt, entstand nach den Plänen von Schinkel und wurde durch Friedrich Wilhelm IV. eingeweiht. Sie ist heute kulturelles Zentrum in Petzow und wurde nach umfangreichen Sanierungsarbeiten am 30. Oktober 1994 wieder der Öffentlichkeit übergeben. Im Jahr 2011 erhielt sie eine neue Orgel.
Der Park, wie er sich jetzt darstellt, besticht natürlich besonders durch seine Einbindung in das gesamte Ensemble Park - Ort - Herrenhaus - Kirche. Dennoch ist dringend erforderlich, das eigentlich zentrale Gebäude, um das sich alles dreht - das Schloss, auch Herrenhaus genannt - gründlichst zu restaurieren und einem erneuten Verfall, wie er ausgangs des 20. und eingangs des 21. Jahrhunderts dramatischer kaum sein konnte, vorzubeugen. Heute wohnen etwa 350 Menschen in unserem Ort. Mai 2011
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