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Der Park

"Der Park ist eine Schöpfung Lennés" sagt Theodor Fontane.

Durch die Mannigfaltigkeit seiner Sichtbeziehungen,das Verschmelzen von künstlich installierten Elementen mit natürlich Vorhandenen ergibt sich eine einzigartige Harmonie, die typisch für die Werke des großen Gartenbaumeisters ist.

Lassen Sie sich in den kleinen Park am Haussee entführen und geniessen Sie einige Augenblicke.

Noch besser wäre, Sie geniessen vor Ort.

 

Eindrücke


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Zu einem Gedenkstein im Petzower Park

Tod am Haussee in Petzow

Alfred Mehlhemmer, ein Berliner Flugzeugingenieur, begab sich schon bald nach Hitlers Machtergreifung in den Widerstand gegen den braunen Diktator. Zusammen mit seiner Frau Margarete und anderen Hitlergegnern mietete man dazu ein Haus in Ferch am Schwielowsee. Die Gruppe wollte in Ferch auch eine Funkstation betreiben und hatte sich hierfür schon Einzelteile für einen Schwarzsender besorgt. Jedoch wurde Mehlhemmer am 2. Februar 1942 verhaftet und ins KZ Sachsenhausen bei Oranienburg gebracht. Nach über einjähriger Haft im KZ Sachsenhausen wurde er – wahrscheinlich auch auf Grund der Beziehungen seiner Ehefrau in der deutschen Filmindustrie – wieder entlassen.

In Ferch lebte er von da an zurückgezogen, jedoch mit dem Makel behaftet, ein „ehemaliger „KZ`ler“ gewesen zu sein. Seine Freizeit verbrachte Alfred Mehlhemmer gern beim Angeln. Der damalige Besitzer des Lokals "Haus am See" in Ferch, ein Freund Mehlhemmers, hatte vom Gutsbesitzer Carl v. Kaehne in Petzow den dortigen Haussee gepachtet und die Genehmigung dort zu fischen. Er lud Mehlhemmer des öfteren zum Angeln auf dem Haussee ein und stellte ihm einen seiner Arbeiter zur Verfügung.

Alfred und Anne Mehlhemmer
Dr. Alfred Mehlhemmer (1888 - 1943), mit seiner Frau Margarete (li.) und Tochter Anne in Ferch (Repro aus dem Buch von Margarete Mehlhemmer)

An einem Frühlingsvormittag nahm Mehlhemmer – er angelte wie so oft auf dem Haussee - etwas Rätselhaftes im Schilf wahr, das aussah wie ein Versteck, so Margarete Mehlhemmer in ihrer Autobiografie. Er wollte nachschauen und fuhr mit seinem Boot an die Stelle. Im Schilf fielen ihm ein paar blutige Werkzeuge und Fetzen aus Stoff auf, deren Entdeckung ihn sehr beunruhigte. Da es in der zurückliegenden Zeit zu zwei Morden um Petzow und Geltow herum gekommen war, vermutete Mehlhemmer nun ein Gewaltverbrechen und meldete seine Entdeckung der Polizeiwache in Werder. Man schrieb den 10. Mai 1943.

Was sich zugetragen haben soll - Margarete Mehlhemmer, die Witwe von Alfred Mehlhemmer schreibt dazu in ihren Erinnerungen: „Er [Mehlhemmer] ging zunächst in das Schloss des v. Kaehne. Der sei in Werder bei der Polizei wurde ihm gesagt. Er erreichte [telefonisch] v.Kaehne tatsächlich bei der Polizei in Werder, wo der gerade bei Leutnant Kr. eine Besprechung hatte. Die Nachricht mußte wie eine Bombe eingeschlagen haben, handelte es sich doch um den Schlupfwinkel, in dem die Schwarzschlachtungen des v.Kaehne und seiner Komplizen stattfanden, und Leutnant Kr. gehörte zu den Beteiligten.“

Ob es sich nun um die Entdeckung eines Schlupfwinkels für eine verbotene Schwarzschlachterei handelte oder doch um das Versteck eines gesuchten Kriminellen, liess sich nie eindeutig klären.

Von der Polizei Werder wurde noch für denselben Abend eine polizeiliche Suchaktion anberaumt, die unter Leitung des Polizeileutnants Kraft stand. An der Suchaktion nahmen vier Ortsansässige teil, ferner der Gutsbesitzer Carl v. Kaehne –auch in seiner Eigenschaft als Führer der Stadtwacht – und Alfred Mehlhemmer, der den Teilnehmern den Eingang im Schilf zu dem Versteck, das er am Vormittag gefunden hatte, zeigen sollte.

Obwohl Alfred Mehlhemmer von allen ihm nahestehenden Personen dringend angeraten worden sein soll, der Aufforderung zu diesem Lokaltermin nicht Folge zu leisten, tat er es - in einer rätselhaften, völlig unerklärbaren Naivität - doch.

Im Petzower Schloß besprachen Kaehne, sein Domänen-Direktor, ein Jagdaufseher und einige Polizisten den "Aufmarsch", alle trugen eine Waffe (Mehlhemmer hatte keine Waffe dabei), ein Losungswort wurde an alle vergeben. Nachdem Mehlhemmer - diese Aufgabe stellte man ihm - nicht gleich den angeblichen Tatort bzw. Fundort seiner Entdeckung lokalisieren konnte, bedrängte ihn Kaehnes Mannschaft vehement. "Die Falle schnappte zu. Mehlhemmer wurde kopflos, verlor die Übersicht und versuchte nur noch sein Leben zu retten, indem er plötzlich flüchtete doch er hatte die Rechnung ohne seine Jäger gemacht ". Nachdem er ohne Losungswort an dem Jagdaufseher vorbeirannte, schoß der ihm "eine Ladung Schrot in den Leib", der Domänendirektor zerschmetterte mit einem Schuß den Arm Mehlhemmers. Nach Ansicht von Margarete Mehlhemmer traf er dann in seinem Lauf voller Schmerz und Verzweiflung direkt auf von Kaehne, der schon vorher immer rief: "Schießt doch, er darf nicht entkommen!" und ihn dann gewissermaßen hingerichtet haben soll: "Acht Schüsse in den Hinterkopf, alle aus einer Entfernung von einem halben Meter und weniger abgegeben, widersprachen der Behauptung, v.Kaehne habe ihn... in Notwehr erschießen müssen... ". Von Kaehne habe danach zu seinem Schrecken gemerkt, daß er den Falschen erschossen habe und "eine Art Herzanfall" erlitten.

Den Schilderungen von Margarete Mehlhemmer stehen die Aussagen der Prozessbeteiligten gegenüber, nach denen der Gutsbesitzer Carl v. Kaehne in dem Durcheinander der Nacht von Dr. Alfred Mehlhemmer – ob absichtlich oder in der Dunkelheit aus Versehen, ist unklar - persönlich angegriffen und an der Kehle gewürgt worden sein soll, woraufhin v. Kaehne dann Dr. Mehlhemmer in Notwehr, um selber zu überleben, mit einer Pistole mit zwei Schüssen in den Kopf getötet haben soll. Auch v. Kaehne soll seinerseits in der Dunkelheit nicht erkannt haben, dass sein Gegenüber Dr. Mehlhemmer und nicht der gesuchte kriminelle Verbrecher war, zumal sich beide Männer vorher kaum begegnet waren.

Die Suchaktion und der Tod von Dr. Mehlhemmer wurden natürlich in der Umgebung rasch bekannt und gaben zu allerhand Gerüchten und Vermutungen Anlass, zumal Carl v. Kaehne durch frühere Verfahren, schon genügend vorbelastet schien. (s. Tafel "Die Kaehnes in Petzow").

Beunruhigt über diese Gerüchte schien man auch bei der Gestapo in Potsdam zu sein. In einem Schreiben vom 27. Juli 1943, welches der Leiter der Staatspolizeistelle der Gestapo in Potsdam an den Oberstaatsanwalt in Potsdam sandte, heißt es:

Kaehne
Karl Friedrich August von Kaehne (1894 - 1946) auf seinem Gut in Petzow Foto: privat

"Ich lege Wert darauf, daß die Angelegenheit weiter verfolgt wird. In Caputh und Umgebung sind in breiten Kreisen der Bevölkerung Gerüchte entstanden, wonach Mehlhemmer, der früher KZ-Häftling war, von v. Kaehne im Auftrage der Polizei erschossen worden sei. Das Verfahren gegen von Kaehne würde aus diesem Grund unterdrückt und totgeschwiegen. Aus diesem Grunde erscheint es zweckmäßig, daß die Angelegenheit durch ein Gerichtsurteil, zumindest aber durch einen begründeten staatsanwaltschaftlichen Einstellungsbeschluß zum Abschluß gebracht wird " (s. Tafel "Die Kaehnes in Petzow").

Vieles sprach dafür, daß Gutsbesitzer Carl von Kaehne Dr. Mehlhemmer erschossen hatte. Die Absicht dazu und ein Verschulden konnte ihm das Potsdamer Landgericht aber nicht beweisen. Das Verfahren fand Anfang Oktober 1943 unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. Heuer statt. In einer Zusammenfassung des sechsseitigen Urteils des Landgerichts Potsdam vom 16. Oktober 1943 steht: „Der tragische Tod des Dr. Mehlhemmer ist somit auf eine Reihe von unglücklichen Zufällen und Irrtümern zurückzuführen, ein schuldhaftes Verhalten des Angeklagten ist aber nicht festzustellen. Der Angeklagte war daher mit Kostenfolge aus § 467 StPO freizusprechen“.

In den Jahren der DDR wurde der Tod von Dr. A. Mehlhemmer propagandistisch stark verwertet. In einem Zeitungsartikel wurde dann 1983 vorgeschlagen, für Dr. Alfred Mehlhemmer einen Gedenkstein zu errichten, an der Stelle, wo er in Petzow den Tod fand. Aufgestellt am 2. Dezember 1986, ist er heute noch, auch unter völlig veränderten politischen und sozialen Zeitumständen, ein tragisches Zeugnis aus zwei turbulenten, von politischen Zwängen und Irrwegen geprägten deutschen Epochen.

Karl-Heinz Friedrich, Peter von Kaehne
Heimatverein Petzow e.V. , 2003
(veröffentlicht in Märkischer Allgemeiner Zeitung, gekürzt)