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Das Schloss (Herrenhaus)

Am 18. September war Richtfest. Nach ein paar kurzen Reden sprach der Polier den Richtspruch und Investor Cremer schlug den letzten Nagel in die Dachkonstruktion. Alle diesem Ritual gewidmeten Gläser zersprangen, nachdem sie ausgetrunken und gegen das Bauwerk geworfen waren, in tausende Stücke. Ein gutes Omen ?

Fotos: Karl-Heinz Friedrich

Anfang Mai 2015 Am Dach scheint es doch ernsthaftere Probleme zu geben, jedenfalls hat sich am Zustand der Dacheindeckung seit Wochen nichts geändert. Im Innenhof ist mittlerweile mit dem Bau der ersten Reihenhäuser begonnen worden, an den alten Fundamenten arbeiten indes noch die Archäologen. Im Gutsgarten ist der ruinöse Teil eines alten Stallgebäudes freigelegt worden. Historische Aufnahmen dazu befinden sich unter anderem in unserem Vereinsarchiv. Hier tun sich interessante Ansatzpunkte für die weitere historische Erschließung auf. Die weitläufige Bereinigung des Gutsgartengeländes lässt bereits jetzt interessant Blicke in das Gartengelände, auf dem eine ganze Reihe neuer Bäume gepflanzt wurde, zu.

22.2.2015 Immer noch ist das Dach nicht ganz gedeckt. Stattdessen wird an vielen Stellen gerodet.

12.1.15 - Nachdem das halbe Dach zügig bis Mitte Dezember eingedeckt wurde, liegen nun seit Wochen mehrere Stapel Dachsteine auf dem Dach ohne das dachgedeckt wird. "Geht's jetzt schon wieder los, bzw. hört's schon wieder auf ???" - so die Meinung vor Ort. Über den "Buschfunk" war irgendwas von Baustopp wegen Schornstein abreißen zu hören, aber darauf geben wir erstmal nix.

30.11.2014: Das alte Dach ist weg, neue Dachlatten und bereitliegende neue Ziegel zeugen vom Beginn der Dachdeckerarbeiten. Bild: khf.

Schloss Petzow wird saniert

"SCHLOSS PETZOW IST VERKAUFT. Nach Pressemitteilungen vom Januar 2013 ist das Schloss Petzow an die "G+G BauträgerGmbH Potsdam" verkauft worden . Bis Ende 2014 sollen hier Eigentumswohnungen entstehen." So lautete unsere Mitteilung an dieser Stelle im vorigen Jahr. Seitdem hat sich im Hintergrund offenbar einiges getan. Nun ist die Baugenehmigung erteilt worden. Wie regionale Zeitungen übereinstimmend berichten, wird jetzt mit der Sanierung der Schlosses begonnen. "Bis Dezember 2015 sollen hier 34 Wohnungen entstehen" wird der Geschäftsführer der G+G BauträgerGmbH, Michael Gartemann, zitiert. Zehn Wohnungen sollen im Herrenhaus entstehen, 16 im seeseitigen Anbau, den es seit den 1950er Jahren gibt. Während das Schloss mit drei Balkonen zum Innenhof weitgehend von architektonischen Eingriffen verschont bleibt, wird es dort die einschneidensten Veränderungen geben: Der Seeflügel wird um 1,50 Meter aufgestockt, um im Dachgeschoss Wohnplatz zu schaffen, er erhält Balkone und Wintergärten im Parterrebereich. Der komplette Bereich soll öffentlich zugänglich bleiben, lediglich für ein paar Vorgärten wird es Hecken geben, Zäune sind tabu. Im Hofbereich ist gegenüber des Herrenhauses ein Neubau mit weiteren acht Wohnungen geplant. Ein zweiter historisierender Neubau mit noch einmal sieben Wohnungen, der an der Stelle historischer Ställe geplant ist, bedarf allerdings erst noch einer Änderung des Flächenutzungsplanes der Stadt. Insgesamt sollen in den zu vermietenden Wohnungen einmal 140 Menschen wohnen und die Nachfrage ist groß (Petzow hat gegenwärtig 350 Einwohner). G+G übernimmt jedoch nicht die Vermietung, sondern verkauft das sanierte Gelände an einen nicht näher benannten Investor. Mit der Fertigstellung des Schlosses und seiner Anbauten zu einer Wohnanlage geht auch ein jahrzehntelanges Warten auf die Rettung der historischen Bausubstanz zu Ende. Der Kernbau des historischen Petzower Ensembles von Dorf, Kirche, Herrenhaus und Park, der in seiner jetzigen Form nach Plänen von Schinkel im Auftrage von Carl Friedrich August (von) Kaehne etwa 1820 errichtet wurde, wird bald in altem Glanz erstrahlen. Ein Kompromiss allemal, hoffentlich einer der sich lohnt.

Petzow, 1.11.2014

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"Das Herrenhaus ist auf den ersten Blick gesehen ein langgestrecktes rechteckiges Gebäude mit zwei Geschossen. Vier Rundtürme markieren die Ecken eines mittleren Baukörpers, der an beiden Seiten durch Anbauten verlängert wird. Die vier Fassaden unterscheiden sich im Detail in ihrer Gestaltung: es gibt eine Hof- und eine Gartenseite, sowie jeweils ein Giebel zur Dorf- bzw. Schwielowseeseite. Das herrschaftliche Wohnhaus ist wie alle Wohnhäuser im Dorf traufständig zur Straße ausgerichtet. Letztere wird ab dem Gutshoftor als geschwungener Parkweg fortgesetzt.

Der mittlere Baukörper der Fassade zum Wirtschaftshof wird durch zehn Fensterachsen mit schlicht in die Wand eingeschnittenen Öffnungen und den risalitartig hervorgehobenen Eingangsbereich gegliedert. Auf die unterschiedlich breiten Rundbogentüren nehmen die darüber befindlichen Fenster Bezug, die von einem U-förmigen, an den Ecken abknickenden profilierten Band verdacht sind. Darüber befindet sich das Familienwappen, wie es seit der Adelserhebung 1840 bekannt ist. Eine Zinnenreihe bildet den oberen Abschluß und nimmt Bezug auf die Zinnen der Rundtürme und Warten. Links neben dem Eingangsbereich wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein auf Konsolen ruhender neugotischer Sandsteinbalkon angebracht. Die von zwei Pfeilern gehaltene, durchbrochene Brüstung zeigt neben Vierpassmotiven zwei gut sichtbar angebrachte Wappenschilder: rechts das Wappen der Elisabeth von Kleist, welche 1858 den Träger des linken Wappens, Carl von Kaehne, den Sohn Carl Friedrich Augusts, geheiratet hatte. Elisabeth starb 1906, Carl 1910.

Die Asymmetrie der Hofseite hängt vermutlich mit der Integration von Vorgängerbauten zusammen; die Gartenseite hingegen ist völlig symmetrisch aufgebaut.

Parallel zum Schwielowsee verlaufend wurde in den 50er Jahren des 20. Jh. ein Gebäudeflügel direkt an das Herrenhaus angebaut. Diese Maßnahme beeinträchtigt nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Gutshauses, indem es den Solitärbaucharakter zerstört, sondern brachte auch infolge einer notwendig gewordenen Erschließung des Neubaues starke Grundrißveränderungen mit sich. Die Hoffassade des Neubaus ist gestalterisch belanglos, die Seeseite dagegen ist durch eine rhythmisierende Fensterachsenteilung sowie den Versuch, mit einem Treppengiebel an die Bauformen des Herrenhauses anzuschließen, gelungener. Für diesen Neubau wurde ein Wirtschaftsgebäude der Gutshofanlage und das sogenannte Hirschtor abgerissen. Das sogenannte Hirschtor gehörte mit seinem Bogenfries, der Zinnenbewehrung und den zinnenbekrönten Warten in den gestalterischen Zusammenhang von Herrenhaus und Gutshofmauer. die ländlich geprägte, malerische Seeansicht der Gutshofanlage, wie sie das historische Foto noch zeigt, ist verloren und damit auch die Dominanz des Solitärbaukörpers Herrenhaus.

Der markante Stufengiebel bestimmt die Seeseite des Gutshauses. Erst bei genauerem Hinschauen bemerkt man die subtile Verbindung von Zinnen und Treppengiebelmotiv: drei gleichgroße, zusammengefaßte (gekuppelte) Zinnen bilden jeweils eine Giebelstufe, am Scheitelpunkt des Giebels ist die mittlere der drei Zinnen breiter und betont die Symmetrieachse der Fassade.

Zum Garten hin zeigt der Mittelbau des Herrenhauses im Gegensatz zu der zehnachsigen Hofseite elf Fensterachsen.

Entsprechend der Hofseite sind die Fensteröffnungen am ganzen Gebäude schlicht ins Mauerwerk eingeschnitten und weisen mit ihrer Größe auf einen Hierarchie innerhalb der Geschosse. Die Fenster des Erdgeschosses sind die größten und zeigen am Außenbau, wo sich die Beletage mit ihrem Gesellschaftsräumen befindet. An der Gartenseite sind sie sogar durch eine U-förmige, an den Enden spitz auslaufende Profilierung zusätzlich ausgezeichnet. Die darüberliegenden Fenster sind kleiner, weil das Obergeschoß mit seinen Schlaf- und Bedienstetenzimmern nicht so bedeutend ist und eine geringere Geschoßhöhe hat. Bis auf die Fenstertüren hatten alle Fenster der Gartenseite früher zweiflügelige Fensterläden und vermittelten damit ein eher ländliches, idyllisches Aussehen. Die Rundtürme ragen mit ihrem Zinnenkranz gut sichtbar über das Satteldach des Gutshauses hinaus.

Der schlichte dorfseitige Spitzgiebel wird von zwei Pfeilern gerahmt. Die Fensteranordnung bildet eine deutliche Mittelachse aus. Die auf der Dorfseite erscheinende runde Fensteröffnung bildete mit ihrer früheren sternförmigen Sprossenteilung einen Blickpunkt. Als Ortganggesims findet man eine Schränkschicht. Der Giebel korrespondiert mittels Rundöffnung und Schränkschicht mit der Architektur in der Zelterstraße, wo diese beiden Motive mehrmals wieder aufgenommen wurden.

Fontane beruft sich auf seine persönliche Kenntnis von originalen Gotikbauwerken in England und im neugotischen Stil errichteten Architekturen im Rheinland, wenn er konstatiert, daß das Herrenhaus von Petzow im Hinblick auf die Vorbilder ein gescheiterter Versuch sei. Weiter sagt er: "Was daran anmutend wirkt, wie schon angedeutet, das malerische Element, nicht seine Architektur. Diese soweit man überhaupt von einer Architektur sprechen kann, datiert aus dem Anfang der zwanziger Jahre, ist also kaum fünfzig Jahre alt." Fontane glaubt, daß es in Petzow um Nachbildung von Gotik geht und so verwundert es nicht, wenn er Schwierigkeiten hatte, das Petzower Gutshaus in eine ‚baugeschichtliche Schublade‘ einzusortieren, und deshalb am liebsten gar nicht von Architektur sprechen möchte. Mit dem Erbauungsdatum 1820 gehört Petzow zu den frühesten gotisierenden Herrenhäusern in der Mark Brandenburg. Im Hinblick auf die Gesamtanlage von Petzow und mit dem Hinweis auf die bereits detailliert betrachteten Dorfgebäude wird deutlich, daß sich bei der Petzower Architektur von Dorf, Gut und Park die Frage der ‚Stilreinheit‘ nicht stellt. Es geht nicht um die Imitation des mittelalterlichen Baustils, sondern um dessen Zitat. Fontane selbst nennt ja einen wesentlichen Aspekt "das Malerische" und meint damit wohl die Art und Weise, wie die Architektur in die Landschaft eingefügt ist, beziehungsweise wie die Landschafts- und Parkgestaltung auf die Architektur Bezug nimmt.

Ein weiterer Aspekt ist die persönliche Situation des Auftragsgebers. Zum einen ist das architektonische Erscheinungsbild des Petzower Gutshauses abhängig von der persönlichen Beziehung Schinkels zum Bauherrn und zum anderen hatte Kaehne wohl ziemlich klare Vorstellungen, wie das Ergebnis aussehen sollte. Letztendlich ging es ihm darum, mit ausgesuchten gotischen Formen an eine mittelalterliche Epoche zu erinnern. Indem das Wohnhaus der Familie sich ‚im gotisierenden Gewand‘ präsentiert, soll suggeriert werden, daß das Kaehnesche Geschlecht schon ein alteingesessenes in der Mark Brandenburg ist und auf eine lange Familientradition an diesem Ort zurückblicken kann. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, daß die Anbauten in der Längsachse des Gutshauses zusammen mit dem Hauptbau oder unmittelbar danach errichtet wurden. Vermutlich wollte man so demonstrieren, daß das Herrenhaus eine ‚gewachsene‘ Architektur ist. Daß es nicht nur um die märkische Herkunft ging, macht die Dimension des Gutshofes deutlich: mit dieser repräsentativen Anlage war die gesellschaftliche Anerkennung durch den märkischen Adel beabsichtigt und dem Aufstieg in höhere Kreise sollte der Weg geebnet werden.

Wenn Carl Friedrich August Kaehne sich sechs Jahre später für den gotischen Baustil entscheidet, so mag dies durchaus Ausdruck patriotischer Gesinnung sein. Wie sehr er sich seinen Vorfahren und seinem Vaterland – also auch dem preußischen Königshaus – verbunden fühlte, macht das folgende Zitat aus einem Brief an den König im Zusammenhang mit der Adelserhebung und der Auswahl des Wappens deutlich: "Die im Wappen befindlichen Kähne, welche den Familiennamen sinnbildlich darstellen und gegen 200 Jahre von meinem Vorfahren im Siegel geführt sind, habe ich nicht allein dieserhalb, sondern auch um deswillen beibehalten wollen, weil ich mittelst derselben so wie seither, auch ferner unter den schützenden Fittigen des preußischen Adlers meinem Glückstern zuzusteuern gedenke." Im übrigen hat der Architekt Persius in seinem Tagebuch überliefert, daß König Friedrich Wilhelm IV. die Architektur des Petzower Herrenhauses geschätzt haben muß. In dem von Eva Börsch-Supan herausgegebenen Tagebuch heißt es: "12-2. Uhr Mittags ..... der künftige Umbau des Hauses in Sacrow wird ausführlich besprochen. Er soll nach Art des Petzower Hauses ausgeführt werden mit einem dicken 4echigen u runden Thurm."

Der Grundriß bestätigt eine Vermutung, die bei genauerer Betrachtung des Außenbaues schon naheliegt. Die Gartenseite des Herrenhauses ist architektonisch ausgefeilter als die Hofseite, wie bereits in Bezug auf Symmetrie festgestellt wurde. Alle gartenseitig gelegenen Räume des Mittelbaus und des seeseitigen Anbaus sind durch eine Enfilade miteinander verbunden. Die Enfilade endet an den Außenseiten des Baues jeweils an einem Fenster, so daß man längs durch Gebäude auf den Schwielowsee oder durch das heute (aufgrund des Küchenanbaus) verdeckte Fenster in die Dorfstraße und auf die Apsis der Dorfkirche schauen konnte. Das heißt, die bedeutende städtebauliche Achse von Petzow wurde im Grundriß des Herrenhauses aufgenommen und fortgesetzt. Dies ist eine weiterer Hinweis auf das Dorfverschönerungskonzept des Bauherrn, und es stellt sich die Frage, ob Carl Friedrich August Kaehne den späteren Standort der Petzower Dorfkirche schon früher vor Augen hatte. Außerdem zeigt der Grundriß eine Art Gartensaal, durch den der heutige Besucher noch immer das Herrenhaus von Park her kommend betritt. Vom Gartenzimmer aus gab es Richtung Gutshof einen Durchblick auf die Wirtschaftsgebäude und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neben dem Ausblick auch einen Austritt. Es sei noch mal daran erinnert, daß in das Herrenhaus von 1820 ein, vielleicht sogar zwei Vorgängerbauten integriert wurden, die den entwerfenden Architekten mit Voraussetzungen konfrontierten, auf die er reagieren mußte.

Der Funktion des Herrenhauses entsprechend wird nicht vom ‚Schloß Petzow‘ geredet. Mit dem Situationsplan von 1847 gibt es einen eindeutigen Beleg dafür, wie Zeitgenossen das Gutshaus nannten: "Herrschaftliches Wohnhaus". Schon im Schinkel-Lebenswerk wird darauf verwiesen, wenn es heißt: "Die sogenannten ‚Schlösser‘ in der Mark, die auf Schinkel zurückgehen, sind eigentlich vielmehr Gutshäuser, die durch Umbauten oder Vergrößerung vorhandener Gebäude entstanden sind." Auch wenn in Petzow eine Enfilade und ein Gutspark vorhanden ist, so sind dies keine Kriterien, die die Bezeichnung ‚Schloß‘ rechtfertigen."

Quelle: "Das Ensemble von Dorf, Kirche, Herrenhaus und Park Petzow" .- Magisterarbeit von Pia Kühn von Kaehne, TU Berlin, 1996 (leicht geändert und gekürzt)